Es ist Samstagmorgen. Die Luft riecht nach Sommer, nach frischem Gras und ein wenig nach Erde, die von der Sonne langsam warm wird. Johann liegt noch im Bett, doch lange hält er es dort nicht aus. Draußen wartet die Wiese.
In der vergangenen Woche war er wieder mit Emma und ihrer Gruppe unterwegs. Gemeinsam haben sie die Wege durch die Streuobstwiese gemäht – nicht mit lauten Maschinen, sondern mit Sensen. Johann fand das zuerst erstaunlich. Wie ruhig das geht. Kein Motorenlärm, kein Benzingeruch. Nur das leise Zischen der Sensen im Gras.
Emma hatte ihm gezeigt, dass das Mähen mit der Sense viel schwieriger ist, als es aussieht. Die Bewegung muss gleichmäßig sein, fast wie ein Tanz. Zum Glück gab es auch eine kleine Sense, die genau zu Johann passte. Stolz hatte er seine ersten Bahnen gemäht.
Dabei hatte er etwas Wichtiges gelernt:
Wenn Menschen langsam mit der Sense über die Wiese gehen, haben Grashüpfer, Käfer und andere kleine Tiere Zeit zu fliehen. Und weil nur Wege gemäht werden, bleiben ringsherum viele Blüten stehen, damit sie aussamen können und Nahrung für Insekten bieten. Artenfreundliche Pflege nennt Emma das.
Heute zieht es Johann wieder hinaus zu dem kleinen gemähten Platz mitten in der Wiese. Mit einer Lupe setzt er sich an den Rand des hohen Grases und beginnt zu forschen. Vorsichtig schiebt er Halme auseinander, betrachtet kleine Bewegungen zwischen den Pflanzen und wartet geduldig.
Besonders wichtig sind ihm die Käfer.
Denn Käfer sind die Lieblingsnahrung der Igel.
Erst vor kurzem hatte Johann einen kleinen Igel in der Hecke entdeckt. Seitdem muss er oft an ihn denken. In der Schule haben sie gelernt, dass Igel früher fast überall lebten. Heute finden sie immer weniger Nahrung und Lebensräume. Viele Tiere verschwinden. Artensterben nennen die Erwachsenen das.
Johann findet, das klingt viel zu harmlos für etwas so Trauriges.
Darum sucht er heute Käfer. Viele Käfer.
Er möchte, dass der kleine Igel genug zu fressen findet.
Er möchte die Welt für Igel besser machen.
Unbedingt.
Jetzt.
