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Unsere Altbaumwiese – Bewahren, was gewachsen ist

Wer über unsere Altbaumwiese spaziert, entdeckt sie schnell: mächtige, alte Obstbäume mit ausladenden Kronen, knorrigen Ästen und einer ganz eigenen Geschichte. Manche von ihnen sind inzwischen rund 80 Jahre alt. Viele tragen noch immer reichlich Obst und sind damit ein beeindruckendes Zeugnis dafür, wie lange Obstbäume einen Menschen und eine Landschaft begleiten können.

Doch das Alter hat Spuren hinterlassen.

Viele der Bäume wurden über Jahrzehnte nicht mehr fachgerecht geschnitten und gepflegt. Ihre Kronen sind teilweise sehr groß und schwer geworden, die Statik der Bäume ist dadurch zunehmend instabil. Immer wieder brechen Äste unvermittelt ab. Im vergangenen Jahr ist sogar ein ganzer Baum in sich zusammengebrochen.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Bäume stark von Misteln befallen sind. Misteln sind zwar faszinierende Pflanzen und bieten manchen Tieren Nahrung, sie leben jedoch als Halbschmarotzer auf ihren Wirtsbäumen. Sie entziehen ihnen Wasser und Mineralstoffe. Gerade ältere und ohnehin geschwächte Obstbäume können dadurch zusätzlich belastet werden.

Alte Bäume sind wertvolle Lebensräume

Warum pflanzen wir nicht einfach neue Obstbäume und ersetzen die alten?

Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn unsere Altbäume sind weit mehr als Obstlieferanten. Mit ihren knorrigen Stämmen, Höhlungen, abgestorbenen Ästen und ihrer groben Rindenstruktur bieten sie zahlreichen Tieren einen wertvollen Lebensraum.

In den alten, großkronigen Bäumen finden Insekten Nahrung und Unterschlupf. Auch Vögel und andere Tiere profitieren von den vielfältigen Strukturen, die sich über viele Jahrzehnte entwickelt haben.

Ein junger Obstbaum kann diese Lebensraumfunktionen nicht von heute auf morgen übernehmen. Es dauert viele Jahrzehnte, bis ein Baum solche Strukturen ausbildet.

Genau deshalb möchten wir nicht einfach alle alten Bäume entfernen und durch junge ersetzen. Wir möchten möglichst viel von diesem wertvollen Lebensraum erhalten und gleichzeitig dafür sorgen, dass die Altbaumwiese auch in Zukunft bestehen kann.

Wir möchten unsere Streuobstwiese sanieren

Im Sommer haben wir deshalb beschlossen: Wir müssen etwas unternehmen!

Gemeinsam mit der Stadtverwaltung sind wir derzeit in Gesprächen und entwickeln einen Plan, wie wir die Altbaumwiese Schritt für Schritt sanieren können. Dabei möchten wir unbedingt die Unterstützung professioneller Obstbaumwarte in Anspruch nehmen.

Die geplanten Maßnahmen werden unterschiedlich ausfallen, denn nicht jeder Baum hat die gleichen Voraussetzungen.

Einige Bäume werden voraussichtlich auf einen sogenannten Torso zurückgesetzt. Dabei wird die Krone weitgehend abgenommen, während der Stamm stehen bleibt. Solche Baumstämme können weiterhin als wertvolle Lebensräume dienen. Sie bieten beispielsweise Insekten und anderen Tieren Platz und können im Laufe der Zeit zu wichtigen Totholzstrukturen werden.

Andere Altbäume sollen durch einen fachgerechten Rückschnitt und die Entfernung der Misteln so weit entlastet werden, dass sie noch einige Jahre weiterleben und vielleicht sogar weiterhin Obst tragen können.

Dort, wo Bäume aus Sicherheits- oder Gesundheitsgründen nicht erhalten werden können, sollen neue Obstbäume gepflanzt werden. So entsteht nach und nach eine Mischung aus alten und jungen Bäumen – ein Nebeneinander verschiedener Altersstufen, das für eine lebendige Streuobstwiese besonders wertvoll ist.

Ein langer Weg mit vielen kleinen Schritten

Eine solche Sanierung lässt sich nicht innerhalb eines Jahres umsetzen. Wir möchten sorgfältig vorgehen und für jeden Baum die passende Entscheidung treffen.

Der erste Schritt ist deshalb eine ausführliche Kartierung der vorhandenen Bäume. Dabei werden unter anderem der Zustand, die Baumart, die Größe und mögliche Schäden erfasst. Auf dieser Grundlage können wir gemeinsam mit Fachleuten entscheiden, welche Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind.

Anschließend möchten wir geeignete Obstbaumwarte einbeziehen und Fördermittel beantragen, um die geplanten Arbeiten finanzieren zu können.

Bis die Sanierung abgeschlossen ist, werden wir auf der Altbaumwiese keine Veranstaltungen durchführen. Auch der Streuobstpfad wurde in diesem Bereich bereits zurückgebaut.

Das fällt uns nicht leicht, ist aber eine notwendige Entscheidung. Die Sicherheit unserer Besucherinnen und Besucher und der verantwortungsvolle Umgang mit den alten Bäumen haben für uns Vorrang.

Unsere Vision: Eine Streuobstwiese für die Zukunft

Wir möchten die Altbaumwiese nicht einfach erneuern. Wir möchten ihre Geschichte bewahren und ihr gleichzeitig eine Zukunft geben.

Alte Bäume sollen, wo immer es möglich und vertretbar ist, erhalten bleiben. Neue Bäume sollen nachwachsen und irgendwann selbst zu mächtigen, wertvollen Lebensräumen werden.

So soll nach und nach eine Streuobstwiese entstehen, auf der verschiedene Baumgenerationen nebeneinander Platz finden. Eine Wiese, auf der auch in vielen Jahren noch alte Obstbäume stehen, Insekten summen, Vögel brüten und Menschen die Vielfalt der Natur entdecken können.

Denn manchmal bedeutet Naturschutz auch, sich von etwas zu verabschieden, um etwas Wertvolles für die Zukunft zu bewahren.