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Die geheimen Sinne der Pflanzen

  • von

Können Pflanzen fühlen?

(Leises Summen von Bienen, Vogelstimmen, Wind in den Obstbäumen)

Emma:

„Hallo zusammen und willkommen zu einer neuen Folge von Emma auf der Streuobstwiese. Heute sende ich nicht aus dem kleinen Studio im Bauwagen.“

(Sie lacht leise.)

„Ich sitze mitten draußen auf der Wiese. Neben mir summen die Wildbienen, irgendwo raschelt hohes Gras und Johann ist heute mein Gast.“

Johann:

„Hallo.“

Emma:

„Johann hat nämlich etwas Spannendes entdeckt. Er hat mit seiner Lupe die Pflanzen auf der Wiese untersucht.“

Johann:

„Und plötzlich habe ich gemerkt, dass hier alles unterschiedlich wächst. Manche Stellen sind voller Blumen, andere haben hohes Gras und unter den Bäumen wachsen ganz kleine Pflanzen.“

Emma:

„Und genau deshalb sprechen wir heute über etwas Erstaunliches.“

(Kurze Pause.)

„Pflanzen können ihre Umwelt wahrnehmen.“

Johann:

„Das klingt immer noch ein bisschen verrückt.“

Emma:

„Dabei machen Pflanzen das ständig. Nur eben anders als Tiere oder Menschen.“

(Eine Hummel summt nah am Mikrofon vorbei.)

Emma:

„Zum Beispiel merken Pflanzen, wo Licht ist.“

„Vielleicht habt ihr schon gesehen, dass Zimmerpflanzen sich oft zum Fenster neigen. Das nennt man Phototropismus.“

Johann:

„Photo wie Fotografieren?“

Emma:

„Fast. Das Wort kommt vom griechischen Wort für Licht.“

„Die Pflanze erkennt, aus welcher Richtung das Licht kommt, und wächst dorthin.“

Johann:

„Also suchen Pflanzen die Sonne.“

Emma:

„Genau.“

„Und sie merken sogar den Unterschied zwischen Tag und Nacht.“

„Gänseblümchen öffnen morgens ihre Blüten und schließen sie abends wieder. Löwenzahn macht das auch.“

(Wind bewegt die Gräser.)

Johann:

„Das heißt, Pflanzen haben so etwas wie eine innere Uhr?“

Emma:

„Ja. Und noch mehr.“

„Pflanzen spüren auch die Schwerkraft.“

Johann:

„Das verstehe ich überhaupt nicht.“

Emma:

„Wenn ein Samen keimt, wachsen die Wurzeln fast immer nach unten und der Spross nach oben.“

„Selbst wenn man einen Blumentopf auf die Seite legt, richtet sich die Pflanze neu aus.“

„Das nennt man Gravitropismus.“

Johann:

„Also weiß die Pflanze irgendwie, wo oben und unten ist.“

Emma:

„Genau.“

(In der Ferne zirpen Grillen.)

Emma:

„Außerdem merken Pflanzen, wie lang ein Tag dauert.“

Johann:

„Wozu brauchen sie das?“

Emma:

„Damit sie wissen, welche Jahreszeit gerade ist.“

„Obstbäume merken zum Beispiel, wenn die Tage im Frühling länger werden. Dann beginnen sie zu blühen.“

„Und im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, werfen viele Bäume ihre Blätter ab.“

„Das nennt man Photoperiodismus.“

Johann:

„Das ist eigentlich ziemlich schlau.“

Emma:

„Sehr sogar.“

(Kurze Pause. Eine Libelle schwirrt vorbei.)

Emma:

„Pflanzen fühlen auch Temperaturen.“

„Manche Samen keimen erst, nachdem sie längere Zeit Kälte erlebt haben.“

Johann:

„Damit sie nicht mitten im Winter anfangen?“

Emma:

„Ganz genau.“

„Viele Obstbäume brauchen kalte Wintertage. Erst danach können sie im Frühjahr wieder richtig blühen.“

Johann:

„Die Pflanzen merken also kalt und warm.“

Emma:

„Ja. Und sie merken sogar Berührungen.“

Johann:

„Wie die Mimose!“

Emma:

„Richtig.“

„Wenn man ihre Blätter berührt, klappt sie sie zusammen.“

„Und Erbsenpflanzen tasten mit ihren Ranken nach etwas Festem. Sobald sie einen Stock oder Draht berühren, wickeln sie sich darum.“

„Das nennt man Thigmotropismus.“

(Leises Klicken von Johanns Lupe.)

Johann:

„Ich habe heute gesehen, dass sich Brombeeren auch irgendwo festhalten.“

Emma:

„Genau. Viele Pflanzen reagieren auf Berührung.“

Johann:

„Aber riechen Pflanzen eigentlich auch etwas?“

Emma:

„Auf ihre Weise schon.“

„Wenn Raupen an Blättern fressen, senden manche Pflanzen Duftstoffe aus. Damit locken sie andere Insekten an, die den Raupen gefährlich werden.“

Johann:

„Die holen Hilfe?“

Emma:

„Ja. Verrückt, oder?“

(Das Summen der Wiese wird dichter.)

Emma:

„Und unter der Erde passiert ebenfalls unglaublich viel.“

„Pflanzen können über ihre Wurzeln und feine Pilzfäden Stoffe austauschen.“

„Manche warnen sich gegenseitig vor Trockenheit oder Schädlingen.“

Johann:

„Dann ist die Wiese eigentlich voller Nachrichten.“

Emma:

„Das finde ich auch.“

(Wind rauscht durch die Obstbäume.)

Johann:

„Früher dachte ich immer, Pflanzen stehen einfach nur herum.“

Emma:

„Und jetzt?“

Johann:

„Jetzt glaube ich, dass hier die ganze Zeit etwas passiert. Nur viel leiser als bei Tieren.“

Emma:

„Das hast du schön gesagt.“

(Kurze Pause.)

Emma:

„Wenn ihr draußen unterwegs seid, schaut euch Pflanzen einmal genauer an. Vielleicht entdeckt ihr dann auch, wie lebendig eine Wiese wirklich ist.“

Johann:

„Und nehmt eine Lupe mit.“

(Beide lachen.)

Emma:

„Danke, dass ihr heute dabei wart — hier auf der Streuobstwiese.“

„Bis zur nächsten Folge von Emma auf der Streuobstwiese.“

(Summen, Vogelstimmen und Wind langsam ausblendend)