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Teil 2 – Der Steinkauz auf der Streuobstwiese

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Titelbild der Geschichte Der Steinkauz auf der Streuobstwiese

Johann war eigentlich kein Abenteurer.
Zumindest hatte er das immer gedacht.

Und doch war er heute heimlich aus dem Haus geschlüpft, den schmalen Pfaden hinter den Gärten gefolgt und immer weiter gegangen – bis hinaus zur großen Wiese mit den alten Obstbäumen.

Dort hatte er ihn entdeckt.

Einen kleinen Vogel mit großen Augen, der still auf einem knorrigen Ast saß und Johann aufmerksam ansah.

Johann hielt den Atem an.
Der Vogel bewegte sich kaum. Und Johann traute sich ebenfalls nicht, sich zu rühren.

Für einen Moment fühlte es sich an, als wäre die ganze Welt still geworden.

Nur er und der Vogel.

Tief in seinem Bauch breitete sich ein warmes Gefühl aus. Freude. Staunen. Und vielleicht sogar ein kleines bisschen Stolz.

Er hatte ihn wirklich gefunden.

Da begann plötzlich sein Bein fürchterlich zu jucken. Johann versuchte noch, stillzuhalten, doch schließlich musste er sich kratzen.

Nur ganz kurz.

Als er wieder aufsah, war der Vogel verschwunden.

Enttäuscht blickte Johann zwischen die Bäume. Dort, weiter hinten auf einem Weg, arbeitete eine Frau mit einem Rechen. Sie zog das frisch gemähte Gras zu kleinen Haufen zusammen.

Die Frau bemerkte ihn, winkte freundlich und rief:

„Hallo! Ich bin Emma!“

Johann hob schüchtern die Hand zum Gruß. Eigentlich hoffte er noch immer, dass der seltsame Vogel zurückkehren würde.

Emma kam langsam näher.

„Hast du etwas entdeckt?“, fragte sie neugierig.

„Ja“, sagte Johann leise und beschrieb den Vogel mit den großen Augen und dem runden Kopf.

Emma lächelte sofort.

„Das muss ein Steinkauz gewesen sein!“

Johann sah sie überrascht an.

„Ein Steinkauz?“

„Ja“, sagte Emma begeistert. „Ich wusste gar nicht, dass hier einer lebt. Das ist wirklich etwas Besonderes.“

Sie deutete um sich herum.

„Das hier ist nämlich eine Streuobstwiese.“

Johann runzelte die Stirn.

„Eine Streu… was?“

Emma lachte freundlich.

„Eine Streuobstwiese. Das ist eine Mischung aus Wiese und Wald. Die Obstbäume stehen hier weit auseinander, damit zwischen ihnen Blumen, Gras und viele Insekten wachsen können. Und genau solche Orte mögen Steinkäuze besonders gern.“

Jetzt schaute Johann sich noch einmal genauer um.

Die alten Apfelbäume.
Das hohe Gras.
Die summenden Insekten.
Der Duft nach Sommer.

Plötzlich wirkte alles ein kleines bisschen magisch.

Emma lächelte ihn an.

„Du kannst wirklich stolz auf dich sein, dass du den Steinkauz entdeckt hast“, sagte sie. „Da bin ich jetzt fast ein wenig neidisch.“

Und zum ersten Mal an diesem Tag musste Johann lächeln.