Zum Inhalt springen

Streuobstwiese für alle

  • von

– mein Weg zur inklusiven Streuobstpädagogik.

Zurzeit absolviere ich eine Ausbildung zur Streuobstpädagogin. Dabei geht es darum, Kindern die Streuobstwiese als Lebensraum näherzubringen: mit ihren Obstbäumen, Tieren, Pflanzen und den vielen Zusammenhängen in der Natur.

Für mich ist diese Ausbildung allerdings mit besonderen Herausforderungen verbunden. Ich bin stark schwerhörig. Gerade im Unterricht fällt es mir deshalb oft schwer, alles zu verstehen – besonders wenn viele Menschen gleichzeitig sprechen oder Beiträge aus der Gruppe kommen.

Auch bei der Arbeit mit Kindern habe ich mich zunächst gefragt, wie das funktionieren kann. Auf einer Streuobstwiese ist es lebendig, manchmal laut, und Kinder bewegen sich viel. Kommunikation ist dabei wichtig.

In einem ersten Moment habe ich sogar darüber nachgedacht, die Ausbildung abzubrechen.

Doch dann kam etwas sehr Wertvolles: Die Gruppe der anderen angehenden Streuobstpädagoginnen hat mich darin bestärkt, weiterzumachen. Sie haben mir gespiegelt, dass genau diese Perspektive bisher fehlt. Inklusion bedeutet schließlich auch, dass unterschiedliche Menschen ihre Erfahrungen einbringen.

Diese Ermutigung hat mich dazu gebracht, weiterzudenken und nach Lösungen zu suchen.

Ein eigenes Konzept entwickeln

Statt mich ausschließlich auf das klassische Vermitteln von Informationen zu konzentrieren, möchte ich meine Angebote stärker auf Erleben, Entdecken und eigenes Tun ausrichten.

Kinder lernen auf der Streuobstwiese ohnehin am besten, wenn sie selbst aktiv werden:

wenn sie Früchte sammeln, Tiere beobachten, Baumrinden fühlen oder den Duft von Blüten wahrnehmen.

Außerdem werde ich nicht allein mit den Kindern arbeiten. Ich werde mir zwei Helferinnen oder Helfer mit auf die Wiese holen, die mich unterstützen.

Gemeinsam möchten wir mit den Kindern einfache Regeln und Handzeichen vereinbaren, damit Kommunikation auch ohne viele Worte gut funktioniert. Das kann zum Beispiel bedeuten:

  • ein Handzeichen für Aufmerksamkeit
  • klare Sammelpunkte
  • kurze, gut sichtbare Demonstrationen
  • Aufgaben, die die Kinder selbst ausprobieren können

So entsteht ein Lernen, das mit allen Sinnen funktioniert.

Eine Chance für neue Perspektiven

Die Streuobstwiese ist ein wunderbarer Ort, um Natur zu erleben. Und vielleicht ist gerade ein Ansatz, der stärker auf Beobachten, Anfassen und Ausprobieren setzt, für viele Kinder besonders wertvoll.

Ich sehe diese Situation inzwischen nicht mehr nur als Herausforderung, sondern auch als Chance, neue Wege auszuprobieren.

Ich freue mich sehr auf die weitere Ausbildung und bin gespannt, wie sich dieses Konzept entwickeln wird – und vor allem darauf, gemeinsam mit Kindern die Streuobstwiese zu entdecken.

Denn Natur gehört allen. Und vielleicht kann sie auch ein Ort sein, an dem Inklusion ganz selbstverständlich gelebt wird.