Wir sprechen oft von „Mensch und Natur“, als wären das zwei verschiedene Dinge: hier der Mensch – dort die Natur. Als könnten wir uns der Natur gegenüberstellen, sie betrachten, nutzen, schützen oder verändern.
Aber stimmt diese Trennung überhaupt?
Der Mensch ist Natur.
Wir atmen, wachsen, altern. Unser Körper braucht Wasser, Nahrung, Licht und Wärme. In uns arbeiten unzählige biologische Prozesse, die wir nicht bewusst steuern. Wir sind Teil von Stoffkreisläufen und abhängig von unzähligen anderen Lebewesen. Ohne die lebendige Welt um uns herum könnten wir nicht existieren.
Und doch haben wir uns sprachlich daran gewöhnt, uns der Natur gegenüberzustellen.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, die Perspektive einmal umzudrehen: nicht Mensch und Natur, sondern Mensch als Natur.
Was verändert sich, wenn wir uns selbst nicht mehr als Besucher in der Natur verstehen, sondern als Teil von ihr?
Vielleicht beginnt diese andere Sichtweise bereits in unserer Sprache.
Wir sagen, ein Mensch sei verwurzelt. Wir sprechen davon, dass jemand Wurzeln schlägt, aufblüht oder verdorrt. Wir können uns wie ein Fisch im Wasser fühlen oder den Boden unter den Füßen verlieren. Eine Beziehung kann wachsen, eine Hoffnung keimen, ein Lebensabschnitt kann stürmisch sein.
Wir verwenden Bilder aus der Natur, um über uns selbst zu sprechen.
Das ist mehr als eine Sammlung schöner Redewendungen. Vielleicht zeigen diese Bilder etwas Grundsätzliches: Wir können unser eigenes Leben kaum beschreiben, ohne auf die Welt zurückzugreifen, in der wir leben und aus der wir selbst hervorgegangen sind.
Wenn wir uns „verwurzelt“ fühlen, wissen wir unmittelbar, was damit gemeint ist: Wir haben Halt, gehören irgendwohin, sind mit etwas verbunden. Wenn wir „aufblühen“, erleben wir Entwicklung und Lebendigkeit. Und wenn im Frühling die ersten Pflanzen wieder grün werden, können wir darin Hoffnung und Neubeginn erkennen.
Die Natur ist dann nicht einfach eine Kulisse für unser Leben.
Sie ist Teil unserer Erfahrung.
Vielleicht erkennen wir uns in ihr wieder, weil wir nie wirklich außerhalb von ihr gestanden haben.
Wir sind die Natur, die über sich selbst nachdenkt.
