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Teil 1: Wie bei Avatar?

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Titelbild der Geschichte Wie bei Avatar?

Eine Johann und Emma – Geschichte

Johann drückte die Stirn gegen die Fensterscheibe.

Draußen flimmerte die warme Luft über den Wiesen hinter den Häusern. Irgendwo summte ein Rasenmäher. Im Haus roch es nach Farbe, Kartons und Holzstaub. Seine Eltern räumten noch immer Kisten aus, schoben Möbel hin und her und diskutierten darüber, welche Lampe wohin sollte.

Johann langweilte sich.

Vor ein paar Wochen war er noch mitten in der Stadt zur Schule gegangen. Jetzt wohnten sie plötzlich in diesem kleinen Ort, wo alle Häuser irgendwie gleich aussahen und hinter den Gärten einfach nur „Natur“ begann.

Natur.

Johann wusste nicht genau, was er davon halten sollte. Wälder und Wiesen wirkten auf ihn wie eine fremde Welt. Schön vielleicht. Aber auch seltsam. Fast wie in den Filmen von Avatar — geheimnisvoll und ein bisschen unheimlich.

Eigentlich interessierten ihn eher kleine Dinge. Zu Hause konnte er stundenlang basteln oder auf seinem Handy Fotos von winzigen Käfern anschauen. Ein Makrofotograf auf Instagram zeigte Insekten so nah, dass sie aussahen wie Wesen von einem anderen Planeten.

Während Johann aus dem Fenster sah, bewegte sich plötzlich etwas zwischen den Bäumen draußen auf der Wiese.

Ein Vogel.

Aber kein gewöhnlicher Vogel.

Er wippte merkwürdig mit dem Kopf und saß ganz still auf einem Ast. Dann flog er ein Stück weiter.

Johann öffnete das Fenster.

Der Vogel verschwand hinter den alten Bäumen.

Ohne nachzudenken lief Johann los. Durch den Flur, hinaus aus der Haustür, um die Ecke des Hauses — und dann blieb er stehen.

Vor ihm lag eine große Wiese.

Das Gras stand hoch und bewegte sich leise im Wind. Zwischen den Halmen verliefen schmale gemähte Wege, als hätte jemand heimliche Pfade durch die Wiese gezogen.

Johann trat vorsichtig hinein.

Sofort hörte er überall Geräusche.

Summen. Zirpen. Rascheln.

Er blickte immer wieder nach oben und suchte den seltsamen Vogel. Mal glaubte er ihn zwischen den Ästen zu sehen, dann wieder nicht. Also folgte Johann weiter den schmalen Wegen durch das hohe Gras.

Die Luft roch warm und süß nach Sommer.

Irgendwann erreichte er eine kleine freie Stelle zwischen den alten Obstbäumen. Johann blieb stehen.

Für einen Moment wusste er nicht mehr, aus welcher Richtung er gekommen war.

Wo war eigentlich das Haus?

Da entdeckte er ihn wieder.

Der Vogel saß auf einem niedrigen Ast und beobachtete ihn aufmerksam.

Er war viel kleiner, als Johann gedacht hatte. Rundlich. Mit großen hellen Augen.

Der Vogel bewegte sich nicht.

Und Johann bewegte sich auch nicht.

Ganz tief in seinem Inneren spürte Johann plötzlich etwas, das er nicht erwartet hatte.

Freude.

Nicht die laute Freude aus Freizeitparks oder beim Gaming.

Eine ruhige Freude.

So ein schönes Tier, dachte Johann.