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Bilder zwischen Mensch und Natur

Wenn die Natur zu uns spricht.

Wir sind verwurzelt. Wir wachsen über uns hinaus. Wir fühlen uns wie ein Fisch im Wasser – oder wie jemand, dem der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Im Frühling blüht nicht nur die Natur auf: Auch in uns keimt Hoffnung.

Solche Sätze begegnen uns ständig. Wir nehmen Bilder aus der Natur, um über uns selbst zu sprechen. Pflanzen, Tiere, Wasser, Erde, Himmel und Jahreszeiten werden zu Bildern für unsere Gefühle, Beziehungen und Lebenssituationen.

Dabei geschieht etwas Bemerkenswertes: Wir betrachten die Natur nicht einfach nur als etwas, das außerhalb von uns existiert. Wir benutzen sie, um uns selbst zu verstehen.

Wer sagt, er sei „verwurzelt“, spricht eigentlich über Zugehörigkeit, Herkunft oder Sicherheit. Wer sich „entwurzelt“ fühlt, beschreibt einen Verlust von Halt. Eine Beziehung kann „wachsen“, Freundschaft kann „Wurzeln schlagen“ und eine Hoffnung kann „aufblühen“. Der Frühling wird zum Bild für einen Neuanfang.

Doch die Bewegung geht auch in die andere Richtung. Wir verleihen der Natur menschliche Eigenschaften. Der Wind „flüstert“, die Sonne „lacht“, der Wald „begrüßt“ uns, und eine Landschaft kann „traurig“ oder „fröhlich“ wirken. Wir geben der Natur eine Stimme und manchmal sogar eine Stimmung.

Ist das nur poetische Sprache?

Vielleicht steckt darin mehr. Unsere Sprache verrät etwas darüber, wie wir die Welt erleben. Natur ist für uns nicht allein eine Ansammlung von biologischen Vorgängen. Sie ist zugleich Erfahrungsraum, Erinnerung, Metapher und Symbol.

Wenn im Frühjahr die ersten grünen Blätter erscheinen, wissen wir selbstverständlich, dass Pflanzen auf Licht, Wärme und Wasser reagieren. Und trotzdem können wir in diesem Vorgang Hoffnung erkennen. Die Natur muss diese Hoffnung nicht selbst „tragen“, damit sie für uns Bedeutung bekommt.

Gerade darin liegt die besondere Kraft solcher Bilder: Sie verbinden das Äußere mit dem Inneren. Was in der Landschaft geschieht, kann etwas in uns zum Klingen bringen.

Vielleicht verstehen wir die Natur deshalb niemals ganz unabhängig von uns selbst. Und vielleicht verstehen wir auch uns selbst nicht vollständig, ohne die Natur, aus deren Bildern unsere Sprache seit jeher schöpft.

Wir sind nicht nur Menschen, die auf eine natürliche Welt schauen.

Wir sind Menschen, die sich selbst in dieser Welt wiedererkennen.